Sonntag, 20. März 2016

10 Böhmischer Prater

In der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts gab es in Wien einen enormen Bedarf an Baumaterialien. So entstanden im Süden von Wien an den Abhängen des Wienerbergs und des Laaerbergs zahlreiche Ziegelöfen. Die Ziegelarbeiter kamen in Scharen aus Böhmen und Mähren. Sie wohnten in der Nähe der Ziegeleien und wurden "Ziegelböhm" genannt. Am Rande des Abbaugebiets, wo noch Reste des Waldes vorhanden waren, boten Schausteller ab 1882 ihre Dienste an, es gab Bierlokale und mit den ersten Ringelspielen wurde das Gebiet zum "Böhmischen Prater". - So ist es bis heute geblieben.





 
Das älteste Ringelspiel der Welt, 1920
Die "Böhm" (Tschechen) sind in der Zwischenzeit in der Weiner Bevölkerung aufgegangen, auch Ziegeleien gibt es nicht mehr und der Böhmische Prater fristet sein Dasein am Rande des 10. Bezirks so recht und schlecht und ist nur an schönen Sonntagen von den Bewohnern der Umgebung besucht. Für die Favoritner aus dem Zentrum des Bezirks ist es einfacher, mit der U-Bahn direkt zum Praterstern zu fahren als die recht langwierige Anfahrt mit Tram und Bus zum Böhmischen Prater zu unternehmen, dessen Haltestelle aber einige 100 Meter vom Eingang entfernt ist.

Für Nostalgiker, die auf die lärmenden Attraktionen des Praters verzichten, gibt es aber noch das älteste Ringelspiel der Welt, das mit seinen fast 100 Jahren unter Denkmalschutz steht. Auch ein anderes Wunderwerk der Technik der 20er Jahre, die Raupe, wird für einige Euro in Bewegung gesetzt. Ein ganzes Orchester mit Puppen und einer automatischen Orgel hat auch schon über 100 Jahre auf dem Buckel und fasziniert den Besucher auch heute noch. Für den Abschluss des Besuchs bieten mehrere gemütliche Lokale Hausmannskost an, und an manchen Sonntagen im Sommer kommen Musiker aus dem nördlichen Nachbarland und verbreiten die Atmosphäre "Wie Behmen noch bei Esterreich war..."

Die Raupe


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