Montag, 2. November 2026

11 Das Neugebäude und Maximilian II. (1527-1576)

Kaiser zwischen Tradition und Aufbruch


Herkunft und Jugend

Maximilian II. wurde 1527 in Wien als Sohn des späteren Kaisers Ferdinand I. geboren.

Seine Kindheit fiel in eine unruhige Zeit: Religiöse Konflikte, Bauernaufstände und die

Bedrohung durch das Osmanische Reich prägten die habsburgischen Länder. Nach dem

Tod des ungarischen Königs Ludwig im Jahr 1526 wurde sein Vater auch König von

Böhmen und Ungarn; zugleich rückte Wien in den Fokus der osmanischen Angriffe. Die

Familie wurde zeitweise nach Innsbruck gebracht, wo Maximilian mit seinem Bruder

Ferdinand aufwuchs.

Sein Vater Ferdinand stand lange im Schatten seines älteren Bruders Karl, der als Kaiser

über ein weitreichendes Reich in Spanien, Italien, Deutschland und den Niederlanden

herrschte. Die Auseinandersetzungen um Martin Luther und die Reformation

bestimmten bereits damals die europäische Politik – eine Frage, in der Maximilian später

eine besondere Rolle einnehmen sollte, da er sehr tolerant war und unter den Katholiken

als „Protestant“ galt. Er stand in Verbindung mit den protestantischen Fürsten und

Gelehrten seiner Zeit.


Ehe und habsburgische Dynastie

Schon früh war Maximilians Ehe mit seiner Cousine Maria geplant. Maria, 1528 in

Spanien geboren, war die älteste Tochter Karls. Die Verbindung sollte das Blut innerhalb

der habsburgischen Familie stärken. Im Übrigen geht die Spanische Reitschule auch auf

die habsburgische Beziehung mit Spanien zurück.

Anlässlich der Hochzeit erhielt das Paar ein außergewöhnliches Geschenk: einen

indischen Elefanten aus portugiesischem Besitz. Das Tier gelangte auf dem Seeweg von

Goa nach Portugal und wurde anschließend über Genua, die Alpen, Innsbruck, Passau

und die Donau nach Wien gebracht.


Kaiser und Bauherr

Nach dem Tod Ferdinands wurde Maximilian zum Kaiser gekrönt und war zugleich König

von Böhmen und Ungarn. Wien gewann für ihn als Residenz und befestigte Stadt

besondere Bedeutung. Italienische Baumeister und Architekten, darunter Ferrabosco

und della Strada, wirkten am Ausbau der Wiener Stadtbefestigungen mit. Sie bauten

auch die Stallburg im Stil der Renaissance.

Maximilian ließ außerdem das Neugebäude errichten, eine weitläufige Anlage, die in

ihren Dimensionen mit dem von Philipp II. geplanten Kloster El Escorial vergleichbar sein

sollte. Anders als El Escorial war das Neugebäude jedoch kein Kloster, sondern ein Ort

höfischer Repräsentation, des naturnaher Erholung und der Unterhaltung.

Großer Saal im heutigen Neugebäude (Foto: Kosei MIYA, 2025)

Garten, Tiere und höfisches Leben

Zum Neugebäude gehörte ein Tiergarten. Hier sollten unter anderem der Elefant und

Kamele gehalten werden, die der Botschafter Busbecq aus der Türkei nach Wien

gebracht hatte. Eine Reliefdarstellung zeigt Maximilian mit dem Elefanten sowie Maria

vor einem Brunnen mit Kamelen. Ein großer Pferdestall bot Platz für die Pferde der Familie

und Gäste, ähnlich heutigen Garagen.

Ehemalige Tierzwinger (Foto: Kosei MIYA, 2025)

Pferdestall (Foto: Kosei MIYA, 2025)


Der Botaniker Clusius gestaltete die Gartenanlagen nach italienischen Vorbildern.

Blumenparterres sollten der kaiserlichen Familie und ihren Gästen zur Erholung dienen.

Hier am Neugebäude wurden durch Clusius die ersten Tulpenbeete angelegt, noch

bevor sich in den Niederladen der sogenannte „Tulpenwahn“ ausbreitete. Bildquellen

belegen, dass das Neugebäude auch nach Maximilians Tod 1576 noch von seinen

Söhnen genutzt wurde. Sie zeigen Musik, Picknicks, Ritterturniere und Spiele – ein Bild

des vielseitigen höfischen Lebens der Renaissance.


Maximilian II. und Philipp II.

Maximilians bedeutendster politischer Rivale war Philipp II. von Spanien, sein

habsburgischer Verwandter. Philipp war ursprünglich als möglicher Nachfolger Kaiser

Karls vorgesehen, wurde von den Kurfürsten jedoch nicht akzeptiert, unter anderem,

weil er nur mangelhaft Deutsch sprach. Stattdessen wurde Ferdinand, Maximilians

Vater, noch zu Karls Lebzeiten zum Kaiser gewählt.

Philipp blieb später in Spanien und widmete sich dort unter anderem dem Bau des El

Escorial, dessen Bauzeit 18 Jahre betrug. Maximilian setzte mit dem Neugebäude in

Wien ein eigenes Zeichen kaiserlicher Repräsentation und Renaissancekultur.


Heute ist selbst vielen Wiener:innen unbekannt, dass es in Simmering das

Neugebäude, ein Renaissanceschloss mit bedeutender Geschichte, gibt.

Freitag, 13. Oktober 2023

11 Herderpark

Vor über 100 Jahren wurde der Park um die Volksschule, die 1912 gegründet wurde, geschaffen. Nach dem 1. Weltkrieg sind große Gemeindewohnungen errichtet worden, die an drei Seiten den Park umgeben. Die nördliche Begrenzung bildete der Wiener Neustädter Kanal der aber beim Bau der Pottendorfer Linie zugeschüttet wurde, und an den noch heute die Straßenbezeichnung "Am Kanal" erinnert.

Montag, 14. Dezember 2020

16 Brunnenmarkt

Größter Markt in Wien

Yppenplatz

Grundsteingasse mit Mural eines Künstlers aus Nicaragua

Osei











Samstag, 9. Dezember 2017

2 Frédéric Mistral

Unmittelbar donauaufwärts von der buddhistischen Pagode liegt die "Frédéric Mistral" am Donauufer verankert. Es ist dies ein Museumsschiff mit einer über 100 jährigen Geschichte. Das Schiff wurde 1912 gebaut und diente auf der Donau, zum Teil auch für Inspektionsfahrten von Kaiser Franz Josef, wovon auch ein Kaisersalon zeugt. Nach dem Ersten Weltkrieg beschlagnahmten es die Franzosen im Zuge der Reparationszahlungen und es stand in Rumänien im Dienste der französischen Donauschifffahrtsgesellschaft (Société Française de Navigation Danubienne SFND) und erhielt den Namen "Frédéric Mistral" nach dem provenzalischen Dichter Mistral.




Im Zweiten Weltkrieg war es in deutschem Besitz, dann nach Kriegsende wieder unter französischer Leitung in Rumänien, wo es schließlich von Franz Scheriau gekauft wurde und nach Wien geschleppt wurde. Nun liegt es hier als historisches Zeugnis der österreichischen Schifffahrt.



(Anmerkung eines rumänischen Historikers)
The boat has the name of a French poet (born 1830 - deceased 1904), given to it when it was navigating under the French company "SFND - Société Française de Navigation Danubienne" in Paris, which was the oldest company working in Rumenia. It was based in Braila, Rumenia. About 10 to 12 ancient steamboats still navigate the Donau today, based in Giurgiu for the "SH - Service Hydraulique" company. The oldest one is the "Tudor Vladimirescu", a paddle driven passenger steamer, built in 1859. The fact that the Donau is not salty is one of the factors causing their high age. The ohter factor for getting this old is their construction, which is very solid to last a long time and as simple as possible to reduce repairments and exploitation costs to a minimum.
As an example we can mention the rudder system, which functions on a long chain, going all along the sides, from the bridge back to the rudder. If it broke, they only had to repair a chain. In a magazine dating from 1990 the "Mistral" was mentionned still working, having 5 men aboard. Till the 1970's these men had their own lifestock aboard, keeping chickens in a cage suspended on the mast in front of the bridge, and a pig (or maybe some pigs) on the rear deck in a cage behind the towing hook. The pig was for doing business along the Donau. The pictures in the magazine I have are dating from 1985 and when I look at Karl Schmid's photo, there is a real wrecking done the last 13 years. In 1985 the boat looked old, but in rather good shape: not too much maintenance, but it had some paint once and a while.
On the kettle-room still figures the brass plate of the steam engine manufacturer : 
"N.V. MACHINEFABRIEK V/H SCHIPPER & VAN DONGEN" at Geertruidenberg (Holland)
Some data of the boat: 26.35m long, 5.40m wide, maximal draught 1.80m, speed 17 knots, 250 horsepower, maximal charge: 37 tons, stoked with oil in 1985, crew 8. Engine: alternative - triple expansion, four bladed screw. The superstructure is all steel, except for the bridge, which is wood.








2 Krieau

Den Namen Krieau kennen die meisten Wiener nur vom Hörensagen und denken dabei sofort an die Trabrennbahn, die immer den Aristokraten oder en Neureichen vorbehalten war, wo bei Rennen auf den Sieg eines Pferdes gewettet wurde und so mancher seinen Einsatz verlor.

















Die Rennen bestritten aber die Jockeys - und sie waren nicht auf den Tribünen der mondänen Gesellschaft zu Hause, sondern in einem Nebenareal, in dem sich die Stallungen befinden. - Und diese sind auch in einem ganz eigenen architektonischen Ensemble untergebracht, wie man es sonst nirgends finden kann:















Die Stallungen bestehen aus etwa 40 Fachwerkhäusern, die alle um 1900 in einem einheitlichen Stil gebaut wurden. Früher waren diese Gebäude nur wenigen bekannt, doch heute sind sie von der U-Bahn 2 zwischen den Stationen Messe Prater - Krieau und Stadion gut sichtbar. Zwischen der U-Bahn Linie und den Stallungen wurde auch die Wirtschaftsuniversität errichtet, so dass es einen Kontrast zwischen der modernen Universität und den wie Puppenhäuser wirkenden Stallungen gibt. Was ist also naheliegender als an eine Aussiedlung der Pferde und an eine neue Nutzung der kleinen Häuser zu denken. Hier könnten also Studentenwohnungen entstehen, aber zu welchem Preis?






















Das Areal zwischen dem Stadion und der Trabrennbahn hat aber noch eine Kuriosität zu bieten. Nichts deutet am Rande der Stallungen darauf hin, dass hier noch zwei Pavillons der Wiener Weltausstellung von 1873 stehen. Sie werden vom Bund als Bildhauerateliers vergeben und befinden sich seitdem in eine Dornröschenschlaf.






Mittwoch, 6. Dezember 2017

9 Seegasse - ältester jüdischer Friedhof Wiens

Wer von der Porzellangasse in die Seegasse abbiegt, würde nicht vermuten, dass hinter der modernen Fassade des Seniorenheims Rossau auf Nummer 9 der älteste jüdische Friedhof liegt. Durch die Eingangshalle gelangt man in den Hof und erblickt etwa hundert Grabsteine, nicht wie es auf anderen Friedhöfen der Fall ist - in Reih und Glied - sondern in einem Durcheinander, große und kleine, verwitterte und erstaunlich gut lesbare, sofern man Hebräisch kann.

Die Grabsteine stammen alle aus den Jahren 1540 bis 1783, denn dann wurde der Friedhof (wie auch alle anderen Friedhöfe Wiens innerhalb des Linienwalls) aufgehoben, durfte aber nach jüdischem Gesetz nicht aufgelassen werden, so dass er bis heute erhalten ist. Im Zweiten Weltkrieg wurde versucht ,ihn zu planieren, so dass die meisten Grabsteine vergraben wurden oder auf den Zentralfriedhof gebracht wurden. Erst in den letzten Jahren wurde sie wieder ausgegraben und neu aufgestellt.
Besonders bemerkenswert sind die Grabsteine der kaiserlichen Financiers Wertheimer und Openheimer aus dem Beginn des 18. Jahrhunderts.
Die Seegasse hieß übrigens noch 1830 Judengasse, wie man auf dem Plan der Rossau von Graf Carl Vasquez lesen kann.




Samstag, 3. Dezember 2016

9 Strudelhofstiege

Zwischen der Liechtensteinstraße und der Boltzmanngasse befindet sich eine der berühmtesten, zugleich aber auch unbekanntesten Stiegen von Wien,  die Strudelhofstiege. Bekannt ist sie vor allem durch den Roman von Heimito von Doderer, aber kaum ein Wiener weiß, wo sie sich wirklich befindet, denn sie liegt so versteckt an den Abhängen einer Alluvialterrasse im noblen Botschaftsviertel und wird nur selten von Fußgängern benützt.
Zugleich ist sie aber eines der bedeutendsten Jugendstilbauwerke Wiens, sie wurde von J.Th. Jäger 1910 erbaut. Das steile Gelände wird durch mehrere im Zigzag führende Nebenstiegen auch für gehbehinderte Personen leicht bewältigbar. Am Ende geht die Stiege in zwei Seitenteile über, die einen Brunnen umfassen. Hier befindet sich auch eine Inschrift aus Doderers Werk "Strudelhofstiege"

Wenn die Blätter auf den Stufen liegen

herbstlich atmet aus den alten Stiegen
was vor Zeiten über sie gegangen.
Mond darin sich zweie dicht umfangen
hielten, leichte Schuh und schwere Tritte,
die bemooste Vase in der Mitte
überdauert Jahre zwischen Kriegen.



Viel ist hingesunken uns zur Trauer
und das Schöne zeigt die kleinste Dauer.