Kaiser zwischen Tradition und Aufbruch
Herkunft und Jugend
Maximilian II. wurde 1527 in Wien als Sohn des späteren Kaisers Ferdinand I. geboren.
Seine Kindheit fiel in eine unruhige Zeit: Religiöse Konflikte, Bauernaufstände und die
Bedrohung durch das Osmanische Reich prägten die habsburgischen Länder. Nach dem
Tod des ungarischen Königs Ludwig im Jahr 1526 wurde sein Vater auch König von
Böhmen und Ungarn; zugleich rückte Wien in den Fokus der osmanischen Angriffe. Die
Familie wurde zeitweise nach Innsbruck gebracht, wo Maximilian mit seinem Bruder
Ferdinand aufwuchs.
Sein Vater Ferdinand stand lange im Schatten seines älteren Bruders Karl, der als Kaiser
über ein weitreichendes Reich in Spanien, Italien, Deutschland und den Niederlanden
herrschte. Die Auseinandersetzungen um Martin Luther und die Reformation
bestimmten bereits damals die europäische Politik – eine Frage, in der Maximilian später
eine besondere Rolle einnehmen sollte, da er sehr tolerant war und unter den Katholiken
als „Protestant“ galt. Er stand in Verbindung mit den protestantischen Fürsten und
Gelehrten seiner Zeit.
Ehe und habsburgische Dynastie
Schon früh war Maximilians Ehe mit seiner Cousine Maria geplant. Maria, 1528 in
Spanien geboren, war die älteste Tochter Karls. Die Verbindung sollte das Blut innerhalb
der habsburgischen Familie stärken. Im Übrigen geht die Spanische Reitschule auch auf
die habsburgische Beziehung mit Spanien zurück.
Anlässlich der Hochzeit erhielt das Paar ein außergewöhnliches Geschenk: einen
indischen Elefanten aus portugiesischem Besitz. Das Tier gelangte auf dem Seeweg von
Goa nach Portugal und wurde anschließend über Genua, die Alpen, Innsbruck, Passau
und die Donau nach Wien gebracht.
Kaiser und Bauherr
Nach dem Tod Ferdinands wurde Maximilian zum Kaiser gekrönt und war zugleich König
von Böhmen und Ungarn. Wien gewann für ihn als Residenz und befestigte Stadt
besondere Bedeutung. Italienische Baumeister und Architekten, darunter Ferrabosco
und della Strada, wirkten am Ausbau der Wiener Stadtbefestigungen mit. Sie bauten
auch die Stallburg im Stil der Renaissance.
Maximilian ließ außerdem das Neugebäude errichten, eine weitläufige Anlage, die in
ihren Dimensionen mit dem von Philipp II. geplanten Kloster El Escorial vergleichbar sein
sollte. Anders als El Escorial war das Neugebäude jedoch kein Kloster, sondern ein Ort
höfischer Repräsentation, des naturnaher Erholung und der Unterhaltung.
Garten, Tiere und höfisches Leben
Zum Neugebäude gehörte ein Tiergarten. Hier sollten unter anderem der Elefant und
Kamele gehalten werden, die der Botschafter Busbecq aus der Türkei nach Wien
gebracht hatte. Eine Reliefdarstellung zeigt Maximilian mit dem Elefanten sowie Maria
vor einem Brunnen mit Kamelen. Ein großer Pferdestall bot Platz für die Pferde der Familie
und Gäste, ähnlich heutigen Garagen.
Der Botaniker Clusius gestaltete die Gartenanlagen nach italienischen Vorbildern.
Blumenparterres sollten der kaiserlichen Familie und ihren Gästen zur Erholung dienen.
Hier am Neugebäude wurden durch Clusius die ersten Tulpenbeete angelegt, noch
bevor sich in den Niederladen der sogenannte „Tulpenwahn“ ausbreitete. Bildquellen
belegen, dass das Neugebäude auch nach Maximilians Tod 1576 noch von seinen
Söhnen genutzt wurde. Sie zeigen Musik, Picknicks, Ritterturniere und Spiele – ein Bild
des vielseitigen höfischen Lebens der Renaissance.
Maximilian II. und Philipp II.
Maximilians bedeutendster politischer Rivale war Philipp II. von Spanien, sein
habsburgischer Verwandter. Philipp war ursprünglich als möglicher Nachfolger Kaiser
Karls vorgesehen, wurde von den Kurfürsten jedoch nicht akzeptiert, unter anderem,
weil er nur mangelhaft Deutsch sprach. Stattdessen wurde Ferdinand, Maximilians
Vater, noch zu Karls Lebzeiten zum Kaiser gewählt.
Philipp blieb später in Spanien und widmete sich dort unter anderem dem Bau des El
Escorial, dessen Bauzeit 18 Jahre betrug. Maximilian setzte mit dem Neugebäude in
Wien ein eigenes Zeichen kaiserlicher Repräsentation und Renaissancekultur.
Heute ist selbst vielen Wiener:innen unbekannt, dass es in Simmering das
Neugebäude, ein Renaissanceschloss mit bedeutender Geschichte, gibt.
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